Baukongress 2018

Die Digitalisierung erreicht die Baustelle

Für alle, die sich fürs Bauen in all seinen Facetten interessieren, ist der von der Österreichischen Bautechnik Vereinigung (öbv) veranstaltete Baukongress in Wien seit vielen Jahren ein Fixtermin im Kalender. Auch heuer war der Andrang ungebrochen als am Donnerstag rund 2.000 Gäste aus 13 Ländern, die erstmals mit einer eigenen öbv-Kongressapp auf ihren Smartphones ausgestattet, ins Vienna International Center strömten, um einen der über 50 Vorträge zu hören, zu Netzwerken und sich im Rahmen einer Ausstellung mit rund 100 Ständen über Produktneuheiten zu informieren.

„Ich freue mich, dass sich der Baukongress in den fast 70 Jahren seines Bestehens zu einem der wichtigsten Bauevents im deutschsprachigen Raum entwickelt hat und heute als die wohl neutralste Plattform für alle am Bau Beteiligten fungiert“, erklärte deshalb Michael Pauser, der Geschäftsführer der öbv zu Beginn. Diese Behauptung stützen auch die Besucherzahlen: Während andere Großevents eine Hauptzielgruppe im Blick haben, besuchen den Baukongress Bauherren (24%) ebenso wie Baufirmen (30%). Abgesandte von Ingenieurbüros (17%) füllen die Hallen des Austria Center genauso wie jene von Zulieferfirmen (14%) und Universitäten sowie FHs (15%).

„Ich führe diese hohe Akzeptanz auch darauf zurück, dass wir uns als Österreichische Bautechnik Vereinigung allein dem Erarbeiten und Verbreiten des Letztstandes der Bautechnik und auch neuen digitalen Techniken für das Bauwesen widmen. Diesen Fokus aufs Inhaltliche wissen unsere Mitglieder und die Gäste des Baukongresses sehr zu schätzen“, versicherte der öbv-Vorstandsvorsitzende Peter Krammer.

Die Digitalisierung erreicht die Baustelle

Was Krammer damit konkret meint, zeigten auf dem diesjährigen Baukongress, eine eigens für den Kongress entwickelte öbv-Kongressapp und die Vorträge zum Building Information Modeling (BIM) in der erstmalig eigens abgehaltenen Vortragssession „Planen, Bauen und Betreiben mit BIM“. Diese neue Technologie hat das Potenzial die Baubranche zu revolutionieren. Deshalb haben viele Akteure weltweit großes Interesse daran, die Standards dafür in ihrem Sinne zu definieren.

Die im Herbst erscheinende öbv-Richtlinie „BIM in der Praxis“ ist für die Umsetzung von BIM in der täglichen Praxis besonders wichtig, da sie vom entscheidenden Gremium, nämlich von Bauherrn, Ausführenden, Planer und Baustoffindustrie gemeinsam erarbeitet wird und damit die Akzeptanz nach außen garantiert ist,“ unterstrich der öbv-Vorstandsvorsitzende Peter Krammer in seinem Eröffnungsvortrag nochmals wie wichtig BIM für die öbv ist.

KOOP AWARD: Kooperation statt Konfrontation

Um diesen Trend auch in Österreich zu stärken, verlieh die öbv dieses Jahr am BAUKONGRESS zum zweiten Mal den KOOP AWARD für die am besten abgewickelten Bauprojekte Österreichs in den Kategorien „Infrastruktur“ und „Hochbau“. öbv-Geschäftsführer Michael Pauser überreichte die speziell für den Preis gestaltete Trophäe heuer an die Projektteams der Bauvorhaben „WHA In der Wiesen Süd“ (Hochbau) und „Umbau Knoten Prater“ (Infrastruktur). Bei beiden Projekten gefiel der Jury vor allem, dass die Teams aus Auftraggeber, ausführenden Firmen, Planern und örtlicher Bauaufsicht mit so genannten Partnerschaftssitzungen einen institutionalisierten Weg fanden, im persönlichen Gespräch gemeinschaftlich Lösungen für Probleme zu finden, die auch enorme Kosteneinsparungen zur Folge hatten.

Bautechnikpreis für die Praxis

Preiswürdig war am BAUKONGRESS auch wieder die Arbeit der ganz jungen BauingenieureInnen. öbv-Vize-Vorstandsvorsitzender Karl Weidlinger überreichte den mit insgesamt 4.500 Euro dotierten BAUTECHNIKPREIS 2018. DI DI Sarah Buchner (1. Platz) von der Fachhochschule Campus Wien. Durch ihre Diplomarbeit „Risiken und Chancen alternativer Vertrags-/Partnering-Modelle“, in der Sie profund einen großen Bogen über alle im ln- und Ausland bekannten bzw. angewendeten Vertrags-bzw. Projektabwicklungsmodelle gespannt. „Ich empfehle diese Diplomarbeit jedem Praktiker, da diese wesentlich dazu beitragen kann, die Bedürfnisse der anderen Partner (nicht Gegner) besser zu verstehen, die Partner nicht zu überfordern und bei entsprechender Anwendung -beginnend bei der Auswahl des Vertrags-bzw. Projektabwicklungssystems -einen gemeinsamen Erfolg in der Praxis sicherstellen kann.“

Fachwissen im Stundentakt

Was heute alles im Bereich der Bautechnik möglich ist, zeigten nach der Eröffnung die vielen Fachvorträge in den einzelnen Sessions. Dort ging es beispielsweise um eine Stadtentwicklung im Großmaßstab, wie das Eurogate 2.0, bei dem bis zu 300.000m² Geschoßflächen geschaffen werden, Bauen im Quartier Belvedere auf 19m hohen Stelzen, oder über Erfahrungen beim größten Wohnungsbau in Holzbauweise in der Schweiz, oder einer Hochgebirgsbaustelle in 3.000m Höhe und beim Bau der Metro in Doha.