Zutrittskontrollen: So viel Sicherheit brauchen Unternehmen

Moderne Zutrittssysteme sind deutlich flexibler als Schlüssel und erlauben eine intelligente Benutzerverwaltung. Rüdiger Keinberger, CEO von Loxone im Interview über aktuelle Entwicklungen.

19.11.2020 | Donnerstag vor 12 Tagen von Lisa Grüner
Zutrittskontrollen: So viel Sicherheit brauchen Unternehmen Foto: Loxone

Zutrittskontrollen: So viel Sicherheit brauchen Unternehmen

Wie haben sich die Zutrittskontrollen in den letzten Jahren entwickelt? 

Die Systeme sind in der digitalen Welt angekommen. Neben dem klassischen Schlüssel sind es meist Systeme, die auf biometrische Daten, das Smartphone, auf Codes oder NFC-Technik zurückgreifen. Moderne Zutrittssysteme sind damit deutlich flexibler als Schlüssel und erlauben eine intelligente Benutzerverwaltung. So kann der Zutritt völlig flexibel bspw. für bestimmte Personen, Bereiche oder Zeiträume gewährt werden.    

Wie werden Zutrittskontrollen in Zukunft funktionieren? Welche Trends zeichnen sich ab? 

Wir decken mit NFC-Technik, Codes, unserer App und der Möglichkeit der umfassenden Nutzerverwaltung ein breites Spektrum an Lösungen ab. Im privaten Bereich werden Smartphones und Wearables wie Smartwatches an Bedeutung gewinnen.  Codes und NFC-Lösungen eignen sich hervorragend für Bereiche, in denen viele Berechtigungen gemanagt werden müssen, wie bspw. in Gewerbeobjekten, Hotels oder AirBnBs. Die Einrichtung ist simpel und kann bereits im Vorfeld durchgeführt werden. Dank des Loggings ist stets nachvollziehbar, wer wann im Gebäude, Büro,... war. Bei Verlust können Codes und NFC Tags problemlos deaktiviert bzw. ausgetauscht werden.   

Ein weiterer Trend im Hochsicherheitsbereich könnte die Zweifaktor-Authentifizierung sein, bei dem ein physikalischer Zutritt nochmal via Smartphone App bestätigt wird.    

Wieviel Sicherheit braucht ein Unternehmen? 

Das muss jedes Unternehmen für sich entscheiden. Tendenziell benötigt ein Pharmakonzern sicherlich mehr Sicherheit als bspw. ein Reisebüro. Betrachtet man nur die reine Zutrittskontrolle muss man aber keiner Abstriche machen.  Bei digitalen Systemen ist vor allem die Sicherheit der Kommunikation wichtig. Unsere Zutrittskontrollen - egal ob verkabelt oder per Funk - kommunizieren ausschließlich verschlüsselt. Das stellt sicher, dass sie nicht einfach von Dritten bspw. durch sogenannte Sniffer ausgelesen und kopiert werden können.      Schlüssel können verloren gehen oder gestohlen werden. So auch Authentifizierungsmechanismen wie Key Fobs, Smartphones, etc. 

Der wesentliche Unterschied zum verlorenen Schlüssel liegt allerdings darin, dass die Nutzer im Handumdrehen gesperrt oder entfernt werden können. Voraussetzung dafür: Angestellte bzw. Dienstleister müssen entsprechend geschult sein und Verlust oder Ähnliches unverzüglich melden – nur so kann sofort reagiert werden.

Wichtig neben der Sicherheit des Zutrittssystems selbst ist die Sensibilisierung von Nutzern, MItarbeitern, etc. Social Engineering oder ein gestohlener Token stellen wohl eine höhere Gefahr dar als ein Hackerangriff.

Wie sicher sind elektronische Zutrittssteuerungen? Wo sind die Schwachstellen? Was ist, wenn etwas schiefgeht (vom Stromausfall bis zum Hackerangriff)? 

Wir können hier nur Auskünfte zu unseren Zutrittslösungen geben und wir erfüllen sehr hohe Sicherheitsstandards bspw. dank der bereits erwähnten verschlüsselten Kommunikation.    Ein gern zitiertes Beispiel ist auch der fiktive Hackerangriff. Prinzipiell gilt: Die Wahl eines geeigneten Benutzernamens gepaart mit einem starken Passwort ist die Basis für Sicherheit. Steht das eigene Netzwerk sperrangelweit offen, führen alle weiteren Bestrebungen für mehr Sicherheit ins Leere.  Der Aspekt weiter oben ist auch hier gültig: Wichtig neben der Sicherheit des Zutrittssystems selbst ist die Sensibilisierung von Nutzern, MItarbeitern, etc. Social Engineering oder ein gestohlener Token stellen wohl eine höhere Gefahr dar als ein Hackerangriff.   

In unserem Fall steht es jedem frei, das System mit dem Internet zu verbinden oder nicht. Das System funktioniert auch gänzlich ohne Internet. Sollte ein externen Zugriff gewünscht sein, verfügt unser System über moderne Sicherheitsmechanismen.   Ein weiteres Beispiel ist der Stromausfall. Hier stehen alle elektrischen Systeme vor derselben Herausforderung. Egal ob Zutritt, Beleuchtung oder TV – ohne Strom keine Funktion. Wichtig ist, dass das System in einem solchen Fall standardmäßig verschlossen bleibt. Das sorgt für Sicherheit. Den Zutritt gewährt dann der gute alte Schlüssel.     

Gibt es viele Unternehmen, deren Zutrittssysteme veraltet sind? Ab wann ist eine Erneuerung notwendig? 

Zu anderen Zutrittssystemen können wir keine Auskunft geben.   Ein modernes elektronisches Zutrittssystem eignet sich vor allem für Unternehmen, die unterschiedliche Zutrittsberechtigungen vergeben und dabei maximal flexibel bleiben wollen.    Gibt es viele Mitarbeiter die in unterschiedliche Bereiche und zu unterschiedlichen Uhrzeiten Zutritt haben sollen, macht der Einsatz von klassischen Schlüsseln nahezu keinen Sinn. Hier bietet sich eine Modernisierung in jedem Fall an.  

Bei der Wahl des richtigen Systems ist auch darauf zu achten, wo die Unternehmensreise hingehen soll. Habe ich heute 30 Mitarbeiter und plane in fünf Jahren 200 Mitarbeiter zu beschäftigen, muss das System diese Anforderung abbilden können.

Bei der Planung eines neuen Firmengebäudes / oder Erneuerung der alten Systeme – worauf muss man in Bezug auf Sicherheit und Zutrittskontrollen achten? 

Im Neubau bieten sich kabelgebundene Systeme an. Hier sollte darauf geachtet werden, die nötige Infrastruktur in Form von Kabeln zu schaffen. Um sich zukünftig alle Optionen offen zu halten, können zumindest Leerrohre gezogen werden. Im Funkbereich muss eine ausreichende Funkabdeckung sichergestellt sein.    

Bei der Wahl des richtigen Systems ist auch darauf zu achten, wo die Unternehmensreise hingehen soll. Habe ich heute 30 Mitarbeiter und plane in fünf Jahren 200 Mitarbeiter zu beschäftigen, muss das System diese Anforderung abbilden können.   Auch die Wahl des Schließsystems muss dem Sicherheitsanspruch entsprechen. Die reine Ansteuerung eines Summers funktioniert zwar, bietet aber zu wenig Sicherheit. Ein Motorschloss ist deshalb dringend zu empfehlen.   

Einige Systeme – wie auch unseres – bieten darüber hinaus die Möglichkeit eines Trackings. So ist immer klar nachvollziehbar, wer wann im Gebäude war. 

Hat die COVID-19-Pandemie etwas im Sicherungsbereich verändert bzw. neue Produkte notwendig gemacht? 

Grundlegend neue Systeme sind uns nicht bekannt. Es gibt aber klare Vor- bzw. Nachteile hinsichtlich der bestehenden Systeme.    Ein Fingerprintsystem, welches täglich von einer Vielzahl Personen berührt wird, ist natürlich kein besonders hygienischer Weg der Zutrittskontrolle. Unsere Key Fobs, das sind kleine Schlüsselanhänger, die als elektronischer Schlüssel fungieren, funktionieren dank NFC-Technologie dagegen völlig berührungslos und schaffen so ein Höchstmaß an Hygiene. Der Zutritt über die Key Fobs lässt sich auf Wunsch auch aufzeichnen. Trackingfähige Systeme bieten in Zeiten der Pandemie zusätzlich den Vorteil, dass immer klar nachvollzogen werden kann, wer in einem bestimmten Zeitraum vor Ort war. 

Wie wartungsintensiv sind neue Systeme? 

Auch im Vergleich mit älteren Systemen? Unser System ist wartungsfrei. Etwaige Anpassungen hinsichtlich Nutzer- und Rechteverwaltung können vom Gebäudeinhaber selbst administriert werden. Hierfür sind keine externen Dienstleister notwendig.